INTERVIEW MIT KATJA ALVES

Books | Posted 10/03/2012 | Autoren, Jugend & Kinder, Orell Füssli | Keine Kommentare »

Katja Alves ©Anita Affentranger

Die Zürcherin Katja Alves hat ihren zweiten Kinderroman veröffentlicht: «1000 Gründe, warum ich unmöglich nach Portugal kann». Im grossen Books-Interview erzählt sie, warum sie gern für Kinder schreibt – und was sie mit ihrer Protagonistin Filipa verbindet…

Interview: Marius Leutenegger

Books: Wie sind Sie zum Kinderbuch gekommen?

Katja Alves: Als ich vor ein paar Jahren in Lissabon eine Ausstellung über das alte Ägypten besuchte, sah ich eine Landkarte, auf der die Stadt Krokodilopolis eingezeichnet war. Dieser Name inspirierte mich dazu, eine Geschichte über ein Mädchen und ein Krokodil zu schreiben, ein Hörspiel für Kinder – bis anhin schrieb ich Radiohörspiele für Erwachsene. Mein Kinderbuchdebüt «Beste Freundin dringend gesucht» entstand, weil mir ein Mädchen wie Elfriede, die Hauptfigur, im Kopf herumschwirrte.

Es scheint ein weit verbreiteter Wunsch zu sein, einmal ein Kinder- oder Jugendbuch zu schreiben. Auch berühmte Erwachsenen-Autoren wie John Connolly oder John Grisham haben in letzter Zeit Bücher für ein junges Publikum verfasst. Was ist denn so verlockend an diesem Genre?

Ich kann nicht für andere sprechen, aber in meinem Fall ist es ganz einfach: Das Schreiben für Kinder entspricht meinem Stil. Ich habe ja auch viele Texte für Erwachsene verfasst, und diese werden ebenfalls gern von Kindern gelesen. Ich glaube, ich nähere mich zuweilen den Dingen auf eine recht kindliche Weise an. Bei meinem neuen Buch konnte ich zum Beispiel viele Streiche und Einfälle unterbringen, die mir selber gut gefallen.

Was macht ein gutes Kinderbuch aus?

Ich las als Kind sehr gern, und ich weiss noch genau, was mir damals gefiel: Ich mochte Bücher, die gleichzeitig lustig und spannend sind – und bei denen auch traurige Momente ihren Platz haben. Als Autorin bin ich aber nicht sehr berechnend, ich überlege mir nicht ständig, was mein Buch zu einem guten Kinderbuch machen könnte. Klar ist für mich, dass ich kein explizit pädagogisches Ziel verfolge. Ich möchte einfach Bücher schreiben, die ich als Kind selber gern gelesen hätte. Wenn meine Texte dann auch bei den Kindern ankommen, ist das einfach grossartig – und ein grosses Glück.

In welcher Hinsicht unterscheidet sich das Schreiben für Kinder von jenem für Erwachsene?

Unterschiede gibt es sicher bei der Wahl der Themen. Mein Anspruch, dass eine Geschichte perfekt ist, bleibt aber immer gleich. Es ist für mich auch stilistisch nicht viel anders, ob ich ein Buch für Kinder oder für Erwachsene schreibe; ich bevorzuge stets einfache und klare Sätze. Natürlich muss man bei einem Kinderbuch da und dort ein Wort ersetzen, aber das mache ich erst in einer zweiten Runde. Beim Schreiben für Kinder habe ich jedenfalls nicht ständig die Schere im Kopf, und ich stelle mir auch nicht ständig die Zielgruppe vor – wichtig ist mir einfach, dass die Geschichte gut ist und ich den Spannungsbogen halten kann.

Ist es einfacher, für Kinder als für Erwachsene zu schreiben, weil die jüngere Zielgruppe keinen expliziten literarischen Anspruch stellt?

Nein, das glaube ich nicht. Es ist ja keineswegs immer leicht, etwas exakt in einfachen Sätzen zu erzählen!

Geniesst eine erfolgreiche Kinderbuch-Autorin heute die gleiche Anerkennung wie eine Erwachsenenbuch-Autorin? Die letzten Gewinner des Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis waren Nicolas Robel, Jürg Schubiger, Albertine Zullo und Kathrin Schärer – sie alle sind, verglichen mit den anerkannten Autoren für Erwachsene, nicht sehr berühmt.

In diesem Zusammenhang hatte ich ein lustiges Erlebnis. Auf einer Zugfahrt durch Deutschland kam ich ins Gespräch mit einem jungen Mann. Er fragte mich, was ich so tue, und ich erzählte ihm, ich schriebe Kinderbücher. Darauf fand er: «Das ist toll, und vielleicht können Sie ja auch einmal ein richtiges Buch schreiben!» Kinderliteratur hat schon nicht das gleiche Renommee wie Erwachsenenliteratur. Vermutlich hängt das auch damit zusammen, dass Kinderliteratur oft einen pädagogischen Hintergrund hat oder einen bestimmten Zweck verfolgt – man will mit den Büchern die Leserinnen und Leser erziehen oder das Lesen fördern. Solche Bücher sind dann auch sehr manierlich geschrieben, aber sie verbessern das Image der Kinderliteratur nicht zwingend.

Kommen wir zu Ihrem neuen Buch. «1000 Gründe, warum ich unmöglich nach Portugal kann» erzählt die Geschichte der zu Beginn elfjährigen Filipa, die mit ihrem Bruder und ihrem Vater in der Schweiz lebt. Die Familie stammt aus Portugal, die Mutter starb, als Filipa ganz klein war. Eines Tages verkündet der Vater, die Familie ziehe zurück nach Portugal – in ein Land, das Filipa nur von den Ferien her kennt. Dass Portugal in Ihrem Buch eine grosse Rolle spielt, ist kein Zufall, denn Ihr Vater ist Portugiese und Sie sind in Coimbra geboren. Wie kamen Sie in die Schweiz?

Meine Mutter war Schweizerin. Sie lernte meinen Vater, einen Architekten, in Portugal kennen und lebte mit ihm ein paar Jahre dort. Kurz nach meiner Geburt beschlossen meine Eltern, in die Schweiz zu ziehen. Nach dem Scheitern der Ehe ging mein Vater wieder nach Portugal zurück. Dass wir ebenfalls nach Portugal ziehen würden, war nie ein Thema…

Lesen Sie das vollständige Interview und noch viel mehr Aktuelles zum Thema Bücher im neuen Magazin Books – in Ihrer Filiale zum Mitnehmen oder hier gleich online.

Titel:
1000 Gründe, warum ich unmöglich nach Portugal kann

Autor:
Katja Alves

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